Notwendige Strukturen schaffen

Am 1. März nahm die neue Fach- und Koordinierungsstelle Autismus in den neuen Räumen in der Ferdinand-Lassalle-Straße ihre Arbeit auf. Zum Projektstart lud der Verein "Autismus verstehen" ein.

JÜRGEN SPIESS |

Was die Arbeit mit Menschen im Autismus-Spektrum angeht, gibt es in der Gesellschaft einen großen Nachholbedarf. Es fehlt an Förder- und Unterstützungsangeboten, Kommunikationsprobleme zwischen den beteiligten Institutionen sind an der Tagesordnung und bestehende Konzepte lassen sich oft nicht auf die Arbeit mit autistischen Menschen übertragen.

Zudem fehlt es an Orten, an denen sich Eltern von autistischen Kindern und Jugendlichen treffen können, um Informationen über das Autismus-Spektrum einzuholen, um sich über spezifische und zielgerichtete Angebote zu informieren und über ein entsprechendes Netzwerk auszutauschen.

Aufgrund des ständig steigenden Informations- und Unterstützungsbedarfs wird seit 1. März der im Dezember 2008 gegründete Verein "Autismus verstehen " durch eine neue "Fach- und Koordinierungsstelle Autismus" für Kinder und Jugendliche im Landkreis Reutlingen ergänzt. Das Ziel: "Wir wollen die Gesamtsituation von autistischen Menschen in unserer Gesellschaft verbessern", so die Erste Vorsitzende des Vereins, Inke Haußmann, bei der Eröffnungsveranstaltung.

Außerdem gehörten dazu: zielgerichtete Unterstützungsangebote sowie die Einbeziehung des gesamten sozialen Umfelds wie Schulen und Behörden. Zudem solle die Beratung und Begleitung von Familien ausgeweitet, Informationen durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit gebündelt und Netzwerk- und Kommunikationsstrukturen ausgebaut werden. Denn je früher autismus-spezifische Informations- und Unterstützungsangebote für Kinder und das soziale Umfeld angeboten werden, je mehr diese Maßnahmen miteinander koordiniert sind, umso besser können autistische Menschen ihre Fähigkeiten entwickeln: "Es ist notwendig, durch fachliches Wissen Strukturen zu schaffen und dadurch Autismus besser in der Gesellschaft zu verankern", so Susanne Eichkorn vom Kultusministerium Stuttgart in ihrem Grußwort.

Die neue Fach- und Koordinierungsstelle teilen sich seit 1. März die Jugend- und Heimerzieherin Anna Rümmele (50 Prozent) sowie die Sonderschullehrerin und Erste Vereinsvorsitzende Inke Haußmann (30 Prozent). Außerdem unterstützen die Autistin und Heilpädagogin Aurica Andres und Referendarin Marianne Meyer die Projektarbeit ehrenamtlich. Die Stelle soll in enger Zusammenarbeit mit den bestehenden Selbsthilfegruppen und den für die Inklusion zuständigen Institutionen konzipiert werden und ist an den Verein "Autismus verstehen" mit Sitz in Reutlingen angegliedert. Finanziert wird das Projekt zunächst für drei Jahre mit 20 000 Euro pro Jahr von der Stuttgarter Lechler-Stiftung und mit jährlich 12 000 Euro aus Landesmitteln.

Der Reutlinger Sozialdezernent Andreas Bauer lobte in seinem Grußwort das Engagement aller Beteiligten, die bis zur Realisierung des Projekts zahlreiche Hürden und Verwaltungsbarrieren zu überwinden hatten: "Bisher hatten viele Eltern das Gefühl, mit ihren Problemen überall gegen Wände zu laufen. Dieses Modellprojekt soll autistischen Jugendlichen und Kindern helfen, ihre Lebenssituation zu verbessern und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden."

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