Trauer in Kandel: Pfarrer warnt vor Vorverurteilungen

Rote Rosen als Herz angeordnet, schwimmende Kerzen, ein großes Foto: In Kandel nehmen Angehörige und Anteilnehmende von der getöteten 15-jährigen Mia Abschied. Der Pfarrer spricht auch mahnende Worte.

dpa |

Mit einem Trauergottesdienst in Kandel haben mehrere Hundert Menschen Abschied von der getöteten 15-jährigen Mia genommen.

Neben dem Altar in der voll besetzten St. Georgskirche erinnerte an diesem Donnerstag ein überlebensgroßes Porträtfoto an Mia, die kurz nach Weihnachten in einem Drogeriemarkt des Ortes mit einem Messer umgebracht worden war. Als tatverdächtig gilt der Ex-Freund der Schülerin, ein Flüchtling aus Afghanistan.

Man könne jemanden, der einen anderen getötet habe, nicht damit entschuldigen, dass er aus einem anderen Land komme, sagte Pfarrer Arne Dembek in seiner Predigt. Umgekehrt könne man aber auch nicht sagen, dass alle, die von dort kommen, Verbrecher seien. Wer das sage, mache es sich und dem Täter zu leicht.

"Denn auch der kann sich hinter diesen Vorurteilen verstecken, kann seine eigene Schuld abschieben", sagte der Pfarrer. Zu den Besuchern zählten neben Freunden und Verwandten auch Vertreter aller Fraktionen im rheinland-pfälzischen Landtag.

Dembek mahnte, über der Frage nach dem Warum und den Motiven des Täters das Opfer nicht zu vergessen. Man solle sich an die am Donnerstagmorgen beigesetzte 15-Jährige nicht erinnern, weil sie Opfer eines Verbrechens geworden sei. "Nein, wir sollten uns an sie erinnern, weil sie ein wunderbarer Mensch war. Eine geliebte Tochter und Enkeltochter, eine tolle Nichte und Großnichte, eine gute Freundin und Mitschülerin", sagte Dembek, der die Schülerin vor fast zwei Jahren konfirmiert hatte. 

Mia war am Donnerstagmorgen beigesetzt worden. An ihrem Grab stand ein einfaches Holzkreuz mit der Aufschrift "In Liebe". Efeu und Blumengebinde, in denen ein kleiner Engel steckte, lagen auf und neben der Holzkonstruktion.

"Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Mitgefühl sind mit den Eltern, der Familie und den Freunden des getöteten Mädchens", erklärte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). "Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, welche Wunden und welchen Schmerz der Tod der geliebten Tochter hinterlässt. Wir wünschen den Angehörigen Trost und Kraft in dieser schweren Zeit."

Dreyer erklärte weiter, ihre Solidarität gelte auch dem Bürgermeister und den Flüchtlingshelfern vor Ort. Diese seien derzeit unglaublichen Anfeindungen ausgesetzt.

Der mutmaßliche Täter hat sich den Behörden gegenüber bislang nicht zu dem Messerangriff geäußert. Er mache weiterhin von seinem Schweigerecht Gebrauch, sagte Ulrike Wilke, stellvertretende Abteilungsleiterin der Strafrechtsabteilung im rheinland-pfälzischen Justizministerium in Mainz.

Bislang wird sein Alter mit 15 Jahren angegeben, dies soll aber überprüft werden. Er sitzt wegen des Verdachts auf Totschlag in einer Jugendstrafanstalt.

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